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Thema: Hin und her auf Kreta - 2017

  1. #1
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    Cool Hin und her auf Kreta - 2017


    Ehe der nächste Urlaub vor der Tür steht, möchte ich euch doch ein paar Eindrücke meines heurigen Kreta-Frühlingsaufenthaltes schildern, den ich wegen der Integrations-Fußball-Weltmeisterschaft um zwei Wochen nach hinten verschoben hatte, bei dem Termin hieß es doch, der Griechenlandmannschaft die Daumen zu halten und die Versorgung zu übernehmen. Gar nichts so schlecht, war eine meiner Überlegungen dazu, das Wetter wird zwei Wochen später als üblich dann auch sicher noch ungetrübt schöner sein.

    Der Abflug gestaltete sich gemütlich wie immer, unser allseits beliebter griechischer Flughafen-Taxifahrer in Wien, Giorgos Kefalas, wartete pünktlich auf die Minute (da ist er gottseidank so gar nicht griechisch) vor der Haustür. Nach einer launigen halben Stunde stand ich mit Sack und Pack am Flughafen, bereit zum Einchecken. Gelungen, ein Fensterplatz auf A. Leider hatte ich während des Fluges auch heuer wieder kein Glück mit dem Fotografieren, je weiter südlich wir kamen, desto holpriger wurde der Flug und desto dichter die Wolkendecke. Einen Blick auf einen Küstenstreifen nahe Thessaloniki konnte ich einfangen, aber keine Inseln, kein Santorini, kein Milos – erst kurz vor Kreta wurde es etwas besser, ein paar Fotos vom Landeanflug sind in der Kamera, die Qualität ist aber nicht berauschend. Aber letztlich ist das alles wurscht, nämlich in dem Moment, in dem die Tür des Flugzeuges aufgeht und man die erste Brise Kreta inhalieren kann. Hauptsache da, geschafft! Endlich!

    Relativ schnell plumpst mein Koffer auf das Förderband, wunderbar, jetzt dauert es nicht mehr lange bis zum ersten Frappe. Eine knappe Viertelstunde später sitze ich mit Fritz und Marianna, die dort auf mich gewartet haben, bei unserem „Pansetta-Wirt“ in Gouves. Kreta, jetzt gehörst du uns – erste Pläne werden geschmiedet. Ich will in Arkalohori bei „unserem“ Obsthändler Vitamine kaufen, Marianna zum Fleischhauer und Fritz zum Bäcker. Die Aufgaben sind verteilt. Kirschen, Erdbeeren, Despola, Tomaten nehme ich mit, die Preise günstig wie eh und je. In Wien hätte ich vermutlich nur das Kilo Kirschen bekommen um den Gesamtpreis. Das Brot aus der Tasche von Fritz duftet schon verführerisch. Allerdings habe ich dann am Abend in Kastri gar keinen Hunger mehr, nachdem wir zwischendurch auf der Strecke in Chondros einen Stopp eingelegt und uns mit Mezedes verwöhnen haben lassen. Fotos werden nachgereicht.

    Angekommen in Kastri muss natürlich mit den Hausleuten das vergangene Jahr im Detail „besprochen“ werden, man kann auch tratschen dazu sagen, dann geht’s ans Auspacken, ein bissel noch mit einem guten Glaserl zusammen am Balkon sitzen und die würzige Meeresbrise genießen. Wie wird wohl das Wetter werden? Die beiden berichten von viel Wind und Regen zwischendurch – ein kurzer Schauer hat uns ja auch schon am Weg in den Süden begleitet. Ich schlafe tief und fest in meinem gewohnten Apartment, nahezu traumlos … bis ich aus dem Schlaf gerissen werde, da hat doch wer vergessen, am Handy den Wecker auszuschalten. So bin ich bereits um 6.10 Uhr am Balkon und kann den anbrechenden Tag willkommen heißen. Nicht wirklich lange, das Urlaubsfeeling verlangt einen kleinen Nachschlag und so mütze ich dann doch noch eineinhalb Stunden dahin bis zum gemeinsamen Frühstück mit Fritz und Marianna. Jeden Tag ein Frühstücksei war auch dabei, zum Glück gabs zuletzt ja Entwarnung, was die Auswirkungen auf das Cholesterin betreffen. Am letzten gemeinsamen Tag sind wir beim Frühstück eierlos, alle in den letzten Tagen verputzt – kein Problem, war unisono die Meinung, wir haben uns an den Eiern mehr als satt gegessen. Diese Meinung hat genau von 9 bis 14 Uhr gehalten. Beim letzten gemeinsamen Mittagessen gab es …… Spezialomelettes, die hatten am Nebentisch so gut ausgeschaut, dass wir großzügig über unseren Eierüberschuss hinweggesehen haben. Unsere Omelettes waren wirklich köstlich. Ich habe aber dann im zweiten Teil meines Urlaubs bis zum vorletzten Tag keine Eier mehr sehen können.

    Nach dieser Exkursion in die Frühstücks-Oologie 😊 kehren wir aber nach Kastri zurück. Ich habe ja gerade erst die erste Kretanacht hinter mir. Und 15 sollten noch folgen.

    Die ersten drei Tage waren wettermäßig sehr durchwachsen, sprich ziemlich nass. Zwischendurch sind wir zwar dem Nass von Oben entronnen, aber an die Sonnenfenster schlossen sich immer wieder Regentäler an. In Kouses schien uns die Sonne, Jannis war sehr aufgeräumt und so hatten wir Gelegenheit zu einem ausführlichen Gespräch, in Matala lachte sie uns auch vom Himmel. Da bekam ich Lust zum Shoppen. Ein toller dunkelblauer Strohhut mit passender Tasche, ja, jetzt war ich richtig ausstaffiert für den Urlaub. Hunger plagte uns dann, das Restaurant Babis stand auf dem Plan. Nach dem köstlichen Essen in Pitsidia (mit herrlichem Krautsalat) und einem Küsschen vom Froschkönig, wurden wir heimwärts Richtung Osten wieder ordentlich eingeweicht. Beim kurzen Stopp in Tsoutsouros regnete es – die Bäume am Strand boten kaum Schutz und nach einer schnellen Schwimmrunde haben wir unsere Strandsachen wieder eingepackt und sind zurück nach Kastri gefahren. Nicht ohne zuvor noch das beste Frappe des heutigen Urlaubs im Edelweiß kredenzt bekommen zu haben. Das Edelweiß in Tsoutsouros hat heuer dem unscheinbaren Kafenio in den Bergen bei Gangales den Rang abgelaufen. Ein Pluspunkt für das von mir sonst nicht so sehr favorisierte Tsoutsouros. Eine weitere Testung 2018 ist in Planung, aber nix is fix, wer weiß, ob ich dann genau wieder in diese Gegend komme.

    Abendessen bei Giorgio im Kriti in Kastri. Giorgio kommt heuer – wohl PR-mäßig bestens beraten – in täglich wechselnder kretischer Tracht auf seine Gäste zu. Freundlich wie immer. Und immer darauf bedacht, dass die Miezekatzen die hungrigen Touristen nicht bedrängen. Es war also gar nicht so einfach für uns, unsere Freunde heimlich zu versorgen. Aber wir haben keine Katze hungrig zurücklassen müssen. Das Essen war selbstverständlich köstlich wie immer. Nur gefüllte Zucchiniblüten habe ich bei ihm keine bekommen, alle meine anderen Wünsche, also die kulinarischen, konnte er mir erfüllen. Meine Zucchiniblüten gab es dann gleich nebenan sozusagen, in Keratokampos, ein Heimspiel also.

    Unser nächster Ausflug führte uns in die Berge hinter Ano Viannos, Richtung Selakano, nach Christos, Malles und weiter zu Oma Urania, die sich über unseren Besuch richtig gefreut und uns wie üblich mit Kaffee bewirtet hat. Wegen des schlechten Wetters saßen wir dieses Mal in der guten Stube und konnten die Kaffeezubereitung akustisch verfolgen. Löffel in den Kaffee, Löffel in den Zucker, Wasser, verrühren, Brenner anheizen, irgendwann dann blubber-blubber … und dann, ein eigenartig schlürfendes Geräusch … „tttsssüü“. Wir schauen uns vorerst einmal fragend an. Das alles wiederholte sich drei Mal, jedes Mal mit einem „tttsssüüü“ zum Ende. Die wird .... doch .... nicht … vorkosten? Wo sie doch immer wieder ein starker Hustenreiz geplagt hat!!! Unsere drei Ellinikos hatten wir (leider) unterschiedlich in der Zubereitung bestellt, sketo, metrio und glyko. Als die Tassen dann am Tisch standen, mussten wir erneut probieren, um den jeweils richtigen zu finden und so haben dann noch das Kaffeetasse-tausch-mich-Roulette gespielt. So wirklich geschmeckt hat der Kaffee dieses Mal dann keinem von uns, das schlürfende Geräusch „tttsssüüü“ hat uns am Heimweg begleitet, gepaart mit der latenten Angst, Husten vom Berg mitgenommen zu haben. Ein Raki zum Nachspülen war dann mehr als Ehrensache. Wir haben uns jedenfalls vom ersten bis zum letzten Tag bester Gesundheit erfreut. Erst meine Leute in Malia haben mir dann bestätigt, dass die Oma sicher probiert hat. Im Dorf (ich glaube es war in Krassi) gab es vor vielen Jahren auch eine Oma, die noch fleißig in der Küche mitgearbeitet hat. Sie hat angeblich auch jeden Kaffee probiert, ehe er ihre Küche verlassen hat. Sie musste sich ja davon überzeugen, ob er richtig geraten war. Sagen wir einmal so, dieses kleine Erlebnis hat uns doch immer wieder beschäftigt, zumindest aber bei jedem weiteren Kaffee eine Woge von Heiterkeit erzeugt … „tttsssüüü“ … jaja!!

    Am Ende dieses Ausfluges haben wir in Ierapetra ganz hervorragend gespeist. Dieses Lokal, an der Ausfallstraße Richtung Westen, Richtung Gra Ligia, kann man wirklich mit ruhigem Gewissen empfehlen. Der Choriatiki einsame Spitze, Grillplatte, Pansetta köstlich, die Pommes „handgeschnitzt“ – die Portionen so reichlich, dass wir in Kastri noch die Nachbarhunde damit versorgen konnten. Süße, verführerische Herzkirschen vom Haus – Herz, was willst du mehr. Also, wir werden bei Gelegenheit dort ganz bestimmt wieder einkehren.

    Eine kleine Rundreise führte uns tags darauf nach Psari Forada. Dort hatte ich noch alte „Schulden“. Jenny vom Kafenio hatte mir vor zwei Jahren (bei unserem ersten Besuch dort) ein total stylisches Frappeglas geschenkt, weil sie gemerkt hatte, dass es mir ausnehmend gut gefallen hat. Dafür bekam sie jetzt eine große Packung weißer Versuchung, Raffaelo! Was soll ich sagen, mit einer Einladung, nächstes Jahr zu Ostern zum Mitfeiern unbedingt zu kommen und einem großen Plastiksack voll süßer Despola zogen wir nach einem ausgiebigen Plausch und natürlich einem köstlichen Frappe von dannen. Leider ohne nähere Auskünfte über ein paar eigenartig anmutende Bauwerke in Kalami, dem verlassenen Dorf in der Nähe. Die älteren Herren waren diesbezüglich gar nicht wirklich gesprächsbereit. Aber ich komme ja wieder, meine Herren … 😊

    Viel Zeit zum „Recherchieren“ blieb uns nicht, weil wir ein paar Dörfer weiter eine Kakavia (Fischsuppe) vorbestellt hatten. Da hieß es pünktlich sein. Ein relativ kostspieliger Genuss, bei mir leider mit einer Vielzahl von Gräten – erst das Gustostückerl zum Schluss, das „Backerl“,, auch Wangerl genannt, das Frau Doktor Marianna fachgerecht herausoperiert hatte, war garantiert grätenfrei. Meine nächsten Mahlzeiten waren leichter zu verzehren. Gemista, gefüllte Zucchiniblüten und – extrem köstlich – ein Artischockengemüse. Selten so gut gegessen! Da spielte es dann auch keine große Rolle, dass mich die Artischocken dann in der Nacht stündlich aufs WC getrieben haben. Meine Nieren haben vor Freude gejodelt, so schön durchgeputzt waren sie am nächsten Tag.

    Fotos und Links zu den Lokalen folgen morgen nach.
    LG Reinhilde

    Urlaub in Griechenland = praktizierte Solidarität

    "Griechenland ist weit mehr als die Summe seiner Teile."
    Frei nach Aristoteles

  2. #2
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    Standard AW: Hin und her auf Kreta - 2017

    „tttsssüüü“
    Hat sie den Kaffee durch den hohlen Zahn gezogen?

    mfg Wolfgang
    Urlaub bei Freunden, Urlaub auf Kreta
    http://www.nana-apartments.gr/

    Manche meinen, sie sind beschlagen.
    Dabei sind sie nur bekloppt.

    www.zaros-kreta.de

  3. #3
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    Standard AW: Hin und her auf Kreta - 2017

    Vielen Dank für Deinen Bericht-erfrischend wie immer !

    Am besten hat mir "ttssüüüü" gefallen


    P.S. Was sind denn Despola?
    Geändert von Kiki (20.07.2017 um 16:26 Uhr)

    Bücher sind Schiffe, welche die weiten Meere der Zeit durcheilen

  4. #4
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    Standard AW: Hin und her auf Kreta - 2017

    Liebe Reinhilde
    Danke für den Bericht....
    habe ihn genossen, mitsamt dem "ttssüüüü"
    und bin mitgereist...
    Liebe Grüsse
    Beatrice


    GRIECHENLAND IST NICHT ALLES, ABER OHNE GRIECHENLAND IST ALLES NICHTS



    „Das Leben lässt sich nur rückwärts verstehen, muss aber vorwärts gelebt werden.“
    (S. A. Kierkegaard)


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